Das Klinkerwerk in Sachsenhausen

Entwicklung des Werkes

Das Klinkerwerk siedelte sich im Jahr 1938 um den im Jahr 1936 errichten SS-Schießstand an. Im April desselben Jahres gründete die SS  die DEST  (Deutsche Stein und Erdwerke Gmbh ), wovon das Klinkerwerk eine der größten Fabriken war. Es wurde zum Außenkommando für die verschiedenen Häftlinge aus  Polen und für  Juden, Sinti und Roma. Es  galt als ein Strafkommando des  KZ Sachsenhausen. Im Herbst 1940 begann der Bau des Hafenbeckens durch die Häftlinge, welche auf den  Befehl der SS das Hafenbecken selbstständig ausheben mussten. Die Hallen zur Produktion von Ziegeln wurden im Jahr 1940 wieder abgerissen, da die Qualität der  Ziegel aufgrund  einer Fehlkonstruktion nicht ausreichend für die Bauziele der Reichshauptstadt „Germania“ war. Die Reichshauptstadt „Germania“ war ein größenwahnsinniges Projekt  des Rüstungsministers und Architekten  Albert Speer, welches von Hitler genehmigt wurde. Es war ein Projekt, in dem monumentale Gebäude entstehen sollten, man sprach auch von einer „Stadt in den Wolken“.  Ebenfalls wurde ein Ziegellaboratorium gebaut, um eine bessere Qualität erzielen zu können. Im April 1941 wurden 10 Häftlingsbaracken gebaut, somit wurde das Klinkerwerk zu einem eigenständigem Außenlager. Auch wurde in diesem Jahr in der neu gebauten Brotfabrik Brot für  alle  Bereiche der Häftlinge und der SS-Männer  bis nach Berlin  produziert. Im Jahr 1942 kam es zu einem Wandel im Klinkerwerk, denn es wurde ein  Teil der Ziegelproduktion zugunsten der Rüstungsproduktion abgerissen. Von Juli bis September 1942 kam es zu einer Massenermordung von 200 homosexuellen Häftlingen. Diese wurden in die Postenketten der SS- Männer getrieben und absichtlich erschossen.  Ende 1942 wurde die Eisenbahnbrücke über den Hohenzollern-Kanal fertiggestellt. In den Jahren 1943-44 stieg die Produktion von Rüstungsgütern aufgrund der Kriegswende in Stalingrad stark an. Mitte 1944 betrug die Wurfgranatenproduktion 10000 Stück pro Tag. Am 10. April 1945 wurde das Klinkerwerk durch einen amerikanischen Bombenangriff  fast vollständig zerstört. Dabei kamen ca.200 Häftlinge ums Leben. Die restlichen Überlebenden  traten ihren Todesmarsch nach Lübeck an, bei dem viele von ihnen ermordet wurden oder vor Erschöpfung starben. Im November  2011 wurde im ehemaligen Klinkerwerk eine  Ausstellung errichtet und es steht unter Denkmalschutz.

Alltag der Häftlinge im Klinkerwerk

Der Tagesablauf eines Häftlings begann um 5 Uhr morgens und ging bis 18 Uhr abends. Nach dem morgendlichen Appell mussten die Häftlinge ca. 2km zum Klinkerwerk laufen und dort mit den primitivsten Mitteln anfangen zu arbeiten. Sie mussten zum Beispiel tonnenschwere  Maschinen per Hand hochziehen und platzieren oder sie mussten die Loren, die im Ofen stecken geblieben waren, per Hand lösen und herausziehen. Zudem wurde täglich Sand und Kies per Schiff an den beiden Hafenbecken  angeliefert, welches die Häftlinge im Lauftempo abtransportieren mussten, um das sumpfige, am Rande gelegene Gebiet zuzuschütten.  Aufgrund der extrem hohen Belastung, wie zum Beispiel das extrem hohe Lauftempo und die brutalen Schläge der Wächter, sind bei der Arbeit viele  Häftlinge vor Schwäche umgekommen.  Auch während der Arbeit am Hafen  kamen einige Häftlinge ums Leben, da die Sicherheitsbedingungen ziemlich schlecht waren. Prägend für die Arbeitsbedingungen ist auch das Zitat des SS-Obersturmbannführers und Lagerführers des Klinkerwerks Hermann Heidrich: „Hier gibt es nur Gesunde oder Tote.“  Nachdem die Häftlinge die dreißig Minuten Mittagspause zum Essen beendet hatten, ging der Tag weiter wie bisher. Nachdem sie die Arbeit beendet hatten, mussten sie  noch Betonbrocken vom Klinkerwerk zum KZ Sachsenhausen schleppen. Durch den Wandel vom Außenkommando zum Außenlager wurden zwar die Wege kürzer, jedoch wurde die Arbeitszeit weiter verlängert, um sie gleich lang arbeiten zu lassen. Die Todesrate der Häftlinge , die im Klinkerwerk arbeiteten, betrug zwischen 3-5 täglich. Hinzu kamen die  Verhungerten, die zu wenig Nahrung bekamen und nicht mitgezählt wurden. Außerdem waren sie nicht passend für ihre Arbeit ausgerüstet, wenn die Außenbedingungen extrem waren, z.B. im Winter 1938-39 bis -20°C. Das Klinkerwerk war das Außenkommando mit der größten Sterberate. Zudem musste die Häftlingsstärke wieder aufgestockt werden, da die Häftlingszahl öfter von 2000 auf 1500 sank. „Die Toten wurden ersetzt. Es gab ja viel Ersatz“, berichtete der überlebende Häftling des Klinkerwerks, Leon Szalet.

Von Dani S., Nina B. und Tim B.

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