Friedrich Weißler – ermordet im Zellenbau des KZ Sachsenhausen

Friedrich Weißler wurde 1937 als Aktivist der Bekennenden Kirche in das KZ Sachsenhausen eingeliefert und im Zellenbau 6 Tage später brutal ermordet.

Friedrich Weißler wurde am 28. April 1891 in Königshütte in Oberschlesien geboren. Obwohl seine Eltern jüdisch waren, ließen sie alle ihre Kinder evangelisch taufen. Nach seinem Abitur studierte er Jura, sodass er in der Zeit der Weimarer Republik eine erfolgreiche Richterkarriere begann. So arbeitete er am Oberlandesgericht Naumburg (1929), im Amtsgericht Halle (1932) sowie als Landesgerichtsdirektor in Halle und Magdeburg.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Freiwilliger für Deutschland und erhielt dafür das Eiserne Kreuz  II. Klasse. In der Weimarer Republik beteiligte er sich in einem Freikorps, der für die Niederschlagung der Generalstreiks kämpfte. Allgemein war er auch in nationaldeutschen, liberalen und deutsch-christlichen Vereinigungen engagiert.

Mit der Machtübernahme Hitlers und dem Beginn der Verdrängung der Juden aus dem Berufsleben und der späteren Judenverfolgung veränderte sich auch das Leben Weißlers grundlegend. Er verlor seinen Beruf und bekam dadurch Probleme, seine Familie (Frau Hanna Schäfer und zwei Söhne) zu versorgen. Nach einem Umzug nach Berlin trat Weißler in die Bekennende Kirche ein und arbeitete dort zunächst als Rechtsberater und später als Kanzleileiter. Damit war er von einer ursprünglich nationalistischen Haltung in die Opposition Hitlers übergegangen. So veröffentlichte die Bekennende Kirche am 28. Mai 1936 eine Protestschrift, die an Hitler gerichtet war und von Friedrich Weißler zu großen Teilen mitverfasst wurde. Allerdings wurde die Protestschrift auch von der ausländischen Presse veröffentlicht, sodass er am 3. Oktober 1936 mit zwei weiteren Mitarbeitern der Bekennenden Kirche festgenommen wurde. Als Grund für die Festnahme führten die Nazis in ihren Unterlagen seine Arbeit gegen Hitler und seine jüdische Abstammung an. So wurde er im KZ, obwohl er evangelisch getauft war, als „Nichtarier“ gezählt und als Jude behandelt.

Nach der Verhaftung wurde Friedrich Weißler mit zwei weiteren Männern zunächst in das Berliner Gestapogefängnis gebracht, am 13. Februar 1937 dann aber nach Sachsenhausen verlegt. Als einer der ersten Häftlinge wurde er in den sogenannten Zellenbau eingeliefert. Laut Berichten eines Mithäftlings wurde Weißler dort jede Nacht brutal von zwei SS-Männern, vermutlich fanatische Judenhasser, zusammengeschlagen, sogar bis zum Bewusstseinsverlust.

Am 19. Februar 1937, nur wenige Tage nach seiner Einlieferung, wurde Weißler tot in seiner Zelle aufgefunden. Von SS-Männern sollte der Tod als Selbstmord getarnt werden, um Konsequenzen durch andere Dienststellen zu vermeiden; außerdem wurde als Todesursache ein „altes, schweres Leiden“ angegeben. Trotzdem wurde bereits in Zeitungsberichten sowohl ein natürlicher Tod als auch ein Selbstmord ausgeschlossen; hinzu kam noch, dass Weißler aufgrund eines Versicherungsvertrages vor der Verhaftung eine ärztliche Untersuchung gemacht hatte, weshalb  die von der SS angegebene Todesursache zunächst in Frage gestellt wurde. Eine unabhängige Obduktion wurde angeordnet, bei der herauskam, dass Weißler zunächst durch äußerliche Gewalteinwirkungen und schließlich durch Strangulation im Zellenbau ermordet wurde. Vermutlich waren mehrere SS-Männer daran beteiligt.

Katharina, Cosima und Miriam

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