Hunger – ein ständiger Begleiter im KZ Sachsenhausen

Für die Häftlinge im KZ Sachsenhausen  standen Nahrungsmittel  nur in einem sehr begrenzten  Maß zur  Verfügung.  Durch die Nahrungsknappheit und die schlechte Qualität der Lebensmittel, war der Hunger für die Häftlinge stets präsent.

Die Häftlingsküche

Die im Jahr 1936 erbaute Häftlingsküche diente zur Versorgung der KZ-Insassen. Sie befand sich neben der Wäscherei im zweiten Barackenring rechts neben der  Zentralachse. Innerhalb des hellen Gebäudes kochte unter  der Aufsicht  eines SS-Küchenchefs das Häftlingsküchenkommando. Mittig befanden  sich einige große  Kessel, von denen laut dem ehemaligen politischen Gefangenen Karel Hybeck ein furchtbarer Geruch ausging.
Das  Kartoffelkommando gehörte zu einem der Bevorzugten,  da hier die Möglichkeit bestand, ,,[..] sich ab und zu einmal ein Stück von einer Mohrrübe oder eine Handvoll Weißkohl in den Mund zu  schieben“, berichtet der ehemalige Häftling Emil Büge.

Heutzutage sind nur die Außenwände des Gebäudes, sowie einige Wandmalereien, mit denen die Insassen sich von ihrem unerträglichen Hunger ablenken wollten, erhalten.  Die Ausstellung in der Gedenkstätte spiegelt zentrale Ereignisse, Veränderungen und Gewohnheiten aus der Geschichte des Konzentrationslagers Sachsenhausens wieder.

Die Ernährung im zeitlichen Wandel

Im Zeitraum von 1937 bis 1945 sind deutliche Entwicklungen zu erkennen, die Parallelen zur außenpolitischen Situationen Deutschlands aufzeigen.
Zu Beginn bestand die Nahrungsversorgung aus drei verschiedenen Mahlzeiten, die sich laut Zdzislaw Jasko aus dünner Suppe, die aufgrund von Käfern und verfaulten Zutaten ungenießbar war, Brot und Ersatzkaffe zusammensetzte. Neben den geregelten Mahlzeiten bestand zudem die Möglichkeit, hochwertigere Güter wie Butter, Limonade oder Tabakwaren in der Häftlingskantine zu erwerben. Dieses Privileg genossen jedoch nur die in der Häftlingshierachie oben stehenden ,,Arier“, die die nötigen finanziellen Mittel  besaßen. Adam König berichtet, dass sich unter den Häftlingen die Gewohnheit entwickelte, die etwas überschüssigen Lebensmittel den Bedürftigen zu überlassen.

Mit Beginn des Krieges verschlechterte sich die Nahrungssituation erheblich, beispielsweise verringerte sich die Brotmenge von 350- auf 100 Gramm. Der Erwerb von Lebensmitteln in der Häftlingskantine verteuerte sich durch Kopplungskäufe; beispielsweise mussten eine große Menge Wasser SS- eigener Firmen erworben werden um hochwertigere Güter kaufen zu können. Ab 1942 bestand die Möglichkeit, Essenspakete zu empfangen. Das Regime wollte auf diesem Wege die Lage der Häftlinge ohne zusätzliche Kosten verbessern und die Einsatzfähigkeit, besonders für die Herstellung von Kriegsausrüstung, steigern. Zwar wurden später aus den besetzten Ländern Lebensmittel importiert, diese jedoch waren schon längst ungenießbar. Dazu kam die Tatsache, dass sich auch die Arbeitsbedingungen der Häftlinge ständig erschwerten. Der unvorstellbare Hunger stand im Mittelpunkt des Denkens und Handelns. Oft wurde von den Häftlingen über Methoden zur Nahrungseinteilung nachgedacht, jedoch schafften auch diese nicht den Hunger zu stillen.

Insgesamt führte die fehlende Nahrung, die schwere Arbeit und der immense Schlafmangel zu Krankheiten und qualvollem Tod. Der Hunger trieb die Insassen in den Wahnsinn, teilweise versuchten sie Nahrung ihrer Mitgefangenen zu entwenden,- dies beurteilte der ehemalige Häftling und tschechische Student Evzen Seycek als ,,halbe[n] Mord“, da auf ein solches Vergehen eine Kollektivstrafe folgte und es den Nahrungsmangel verstärkte.

Lena, Michelle, Jessica

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