Jüdische Häftlinge im KZ Sachsenhausen und der Novemberpogrom 1938

Novemberpogromnacht

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ereignete sich einer der Höhepunkte der nationalsozialistischen Barbarei. Nach dem Tod von Ernst vom Rath nutzen die Nationalsozialisten diesen als Anlass zur Zerstörung aller jüdischen Einrichtungen, Geschäfte, Personen und Synagogen. Herschel Grynszpan (damals 17) schoss den deutschen Botschaftsangehörigen aus Paris Ernst vom Rath an, der an den Schussverletzungen starb. Der Auslöser dieser Ermordung war die Deportation von polnischen Juden (von Deutschland zur polnischen Grenze). Herschel Grynszpan wollte auf die ausweglose Situation seiner Familie und anderer polnischer Juden aufmerksam machen. Sein Attentat wurde nicht als Verzweiflungsattentat, sondern als Anschlag des „Weltjudentums“ dargestellt. Herschel Grynszpan wurde wahrscheinlich 1942 im KZ Sachenhausen von SS-Männern ermordet.
Bei dem Angriff auf jüdische Einrichtungen, Geschäfte  und Personen wurden diese zerstört oder in Brand gesetzt. Dieser Angriff war von der NS-Führung geplant worden.  Die Polizei  sah dabei tatenlos zu. Selbst Jugendliche und Kinder nahmen an diesem Terror teil. Es wurden ca. 36.000, meist gesunde junge und wohlhabende Juden, ohne weitere Gründe festgenommen. Als Grund nahm die SS-Truppe die Tatsache, dass Juden  jüdisch waren.

Das  Ziel war die Arisierung und der Zwang zur Emigration der Juden. Unter Arisierung verstand man, dass der gesamte jüdische Besitz in den deutschen Besitz überging. Geschäfte so wie Wohnungen und  Ähnliches mussten von den Juden in Stand gesetzt werden, damit sie danach vom Reich übernommen wurden.

Inhaftierung der Juden in das KZ Sachsenhausen

Häftlingsgesellschaft des KZ Sachsenhausen
Die Gründe der Festnahme der Juden sind mit denen der Reichspogromnacht identisch. Der Hauptgrund der Festnahme der Juden war die Judenfeindschaft der Nationalsozialisten. Jegliche Widerstände waren zwecklos.

Zusammensetzung der Häftlingsgesellschaft
Unmittelbar nach der Pogromnacht wurden sie durch große Transporte anfangs in kleine Lager und in angrenzende Baracken eingeliefert. Insgesamt sind 6.000 Juden in das KZ Sachsenhausen deportiert worden. Nach den ersten Entlassungen wurden die Juden in den Baracken 37-39 zusammengefasst. Kurz vor Kriegsausbruch wurden alle jüdischen Gefangenen in Block 40 gebracht und die Baracken 37-39 evakuiert. Grundsätzliche Annahme: Bereithalten dieser Blocks für polnische Staatsangehörige. Alle  jüdischen Jugendlichen wurden in Block 58 gebracht.

Hierarchien im KZ-Lager
Die jüdischen Gefangenen standen an unterster Stelle  und hatten noch schlechtere  Bedingungen als die anderen Häftlinge. Sie mussten schwerere Arbeiten vollziehen, bekamen weniger Nahrung und mussten Misshandlungen erleiden.

Bei den Nichtjuden waren diese erst gut angesehen, da sie ihre Güter unter den anderen verteilten. Nach der Propaganda der SS veränderte sich teilweise das Bild der Nichtjuden gegenüber der Juden und die jüdischen Häftlinge wurden durch Schläge der anderen Häftlinge gedemütigt.

Trotz dieser Demütigungen, die die Juden ertragen mussten, erlangten sie Lebensmut durch ihre kulturellen Aktivitäten und überlebten den Alltag.

Alltag der Häftlinge

Inhaftierung
Die Häftlinge wurden in Transportern zum KZ gebracht und bekamen dann ihre neue einheitliche Uniform. In den fortlaufenden Stunden wurden sie auf verschiedene Blocks aufgeteilt. Nach längerem Warten auf dem Appellplatz kam es zu der Zuweisung der jeweiligen Arbeit. Ankunftsort war Turm A.

Alltag

  • 5:00 Uhr Aufstehen
  • bis 5:30 Uhr Hygiene, Frühstück, Betten machen
  • Morgenappell (Pflicht)
  • ganzen Tag schwere Arbeiten vollbringen, je nach körperlicher Verfassung + militärische  Übungen
  •  18:00 Uhr Abendappell (Pflicht)
  • bis 20:00 Uhr bzw. 21:00 Uhr Freizeit
  • Nachtruhe

Entlassung
Nach einer Zeremonie bekamen die Häftlinge eine erneute Rasur und seit langem ein Duschbad. Sie erhielten ihre persönlichen Sachen wieder und mussten sich von einem Arzt untersuchen lassen. Nach Ausfüllen der Formulare mussten sie  garantieren zu schweigen, keine Schadensansprüche zu stellen und ihre Besitztümer dem deutschen Reich zu überlassen. Außerdem mussten die Juden das Land verlassen. Das bedeutete, dass die Juden in einem neuen Land ohne jegliche finanzielle Mittel  ein komplett neues Leben aufbauen mussten.
Durch die Verfolgung der Juden und deren Lebensbedingungen wurde eine  ganze Gesellschaft bzw. Kultur vernichtet.

Übersicht der Phasen

  • 1938 -> Pogromnacht (deutsche Juden)
  • 1939 -> Kriegsbeginn (vor allem polnische Juden)
  • 1941 -> Auswanderung wurde verboten
  • 1942 -> Juden mussten das ‚Altreich‘ verlassen, wurden vom Arbeitslager in LKW’s und dann mit Zügen in die  Vernichtungslager gebracht.
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