Häftlingsalltag im Konzentrationslager Sachsenhausen

Aufbau der Häftlingsbaracke

Nachdem 1938 ein neues Barackenlager (kleines Lager) hinzugefügt wurde, standen auf dem Konzentrationslagergelände 68 Baracken, die je für 150 Häftlinge ausgelegt waren. Die Baracken waren 2,65m hoch, 8m breit und 53,3m lang und waren symmetrisch in einem Halbkreis zum Appellplatz ausgerichtet.

Innen waren die Baracken mit 7 Räumen ausgestattet: 2 Schlafräume, 2 Tagesräume, Toilettenraum, Waschraum und Besenkammer. Der Waschraum und der Toilettenraum waren für beide Schlafräume vorgesehen. Die Ausstattung des Waschraums bestand  aus 2 Waschfontänen, 1 Becken zum Geschirspülen und einem langem Fußbad, der Toilettenraum aus 8 Toiletten ohne Deckel und 8 Pissoirs.

Der Tagesraum enthielt mehrere Tische, die für je 16 Personen ausgelegt waren. Da jedoch 40 Personen an jedem Tisch Platz finden mussten, gab es keine Beinfreiheit und manche Häftlinge mussten stehen. Im Tagesraum gab es außerdem noch Spinde, die sich mehrere Häftlinge teilten. Dort befand sich auch der Raum des Stubenältesten.
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In den Bettenräumen gab es anfangs Zweistockbetten ab 1938 dann Dreistockbetten, da nach der Reichsprogromnacht eine erhöhte Anzahl an Häftlingen eingeliefert wurden. Die Schlafbedingungen waren schlecht, da die Häftlinge auf Strohsäcken und mit einer Wolldecke schlafen mussten . Außerdem haben nach 1938 in einer Baracke teilweise bis zu 500 Personen geschlafen (250 pro Schlafraum).

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Die vollsten Baracken waren die der Juden und der sowjetischen Kriegsgefangenen.

Fallbeispiel :
Wolfgang Szepansky, ein wegen „Rassenschande“ verfolgter Kommunist , beschrieb den Alltag und die Beziehungen innerhalb der Baracken so :
Block 26, in dem  politische Gefangene einquartiert waren, war überfüllt  und es herrschte eine „ungute Atmosphäre“. Gedränge war Alltag und das Leben war sehr schwer innerhalb der Baracken; es gab  keine Bewegungsfreiheit und die Gefangenen hatte lediglich 5 Minuten zum Essen.

Innerhalb des Waschraums gab es Kämpfe, um sich waschen zu können. Desweiteren versperrte Jeder Jedem den Weg. Innerhalb der Toiletten und der Waschräume  herrschte Gestank.
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Die Gänge zu den Toiletten und Waschräumen waren überfüllt und kaum benutzbar, sie  mussten Flüche, Anschnauzer und Stöße über sich ergehen lassen, die die Häftlinge  lieber einsteckten und an den Neuankömmlingen ausließen. Für Wolfang Szepansky, der vorher in Berlin Tegel inhaftiert war, ist die Überfüllung der Baracke ein großer Kontrast zu der Einsamkeit in Einzelhaft.
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Innerlich wurden die Gefangenen einsam und gleichzeitig immer aggressiver, da sie keinen Kontakt zu anderen finden konnte. Dies wurde auch noch erschwert durch die Tatsache, dass die Namen durch Nummern ausgetauscht wurden.

Walter Winter, ein deutscher Sinto,  beschrieb die Situation in Block 33:
In Block 33 wurden die Neulinge wie ein Fremdkörper behandelt, da sich die Häftlinge innerhalb des Blocks bereits kannten, weswegen er sich als „das schwarze Schaf“ des Blocks empfand. So musste er sich unterordnen.

Nacht- und Schlafsituation 

Hans Reichmann war als deutscher, jüdischer Bürger in Folge der Reichsprogromnacht am 9. November 1938 festgenommen wurde und berichtet folgendermaßen:
In einem Schlafsaal schliefen 120 Mann, 50 davon auf dem Boden. Keiner konnte auf dem Rücken liegen, da alle zusammengekrümmt liegen musste, ständig den Atem des Nachbarns im Nacken.

Die Schuhe wurden als Keilkissen und Rock & Mütze als Kopfkissen benutzt. Die Häftlinge  durfte sich nie vollständig ausziehen.
Die Nacht war sehr unruhig, da  immer jemand stöhnte, weinte, schrie, schnarchte  oder hustete.

Abends durften  die Baracken nicht ohne die Genehmigung des Stubenältesten verlassen werden. Wer dies missachtete, konnte ohne Vorwarnung erschossen werden. Allerdings konnte  bei Problemen eine Notfalllaterne vor die Tür geworfen werden, die den SS-Wachmännern das Zeichen gab, nicht auf Häftlinge zu schießen, die die Baracken verließen.
Innerhalb der Schlafräume gab es so gut wie keine Möglichkeit auf die Toilette zu gehen, da der Gang von den anderen Häftlingen versperrt wurde.Zudem drohte der Verlust des Schlafplatzes durch einen anderen Häftling. Deshalb kam es nicht selten vor, dass die Häftlinge ins Bett urinierten. Dadurch wurde die oberste Bettetage zu dem besten Schlafplatz.

Im  Moment in dem das Licht anging (4:15-5:00 Uhr),  musste jeder Häftling  aufspringen, da er sonst als Verweigerer und Faulenzer beschimpft wurde und auch dementsprechend mit Sanktionen, wie mit Schlägen zu rechnen hatten.

Die Baracken hatten für die kalten Nächte zwar Öfen, aber kein Brennholz, somit mussten die Häftlinge die Holzbretter aus den Betten als Feuerholz verwenden.

Stubenältester

Der Stubenälteste bzw. Blockältester war für einen ganzen Schlafraum mit Aufenthaltsraum verantwortlich. Er durfte mit Zustimmung des SS Führers Stubendienste einteilen. Dieser assistierte bei der Reinigung der Baracken.
Der Stubenälteste und sein Helfer waren von der harten Arbeit freigestellt. Leicht erkrankte Häftlinge mussten beim Stubendienst helfen.Die Blockältesten hatten außerdem  Vergünstigungen , wie einen Nachschlag beim Mittagessen, einen eigenen Schlafplatz, der aus einem Bett und einem eigenem Spind bestand.

Simeon H., Björn Z., Fabian D.

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