Massenmord sowjetischer Kriegsgefangener

Im August 1941 begann ein weiteres schreckliches Kapitel der Geschichte des Konzentrationslagers Sachsenhausen: die systematische Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener. Die Kriegsgefangenen wurden zunächst in den Baracken der Isolierung untergebracht, bevor sie in einer Genickschussanlage auf dem Industriehof hingerichtet wurden. Weder die Baracken noch die Genickschussanlage sind heute noch erhalten. Nur noch die angedeuteten Fundamente sind heute noch auf dem Gelände zu sehen. Der Ort der Genickschussanlage dient heute als Gedenkstätte für die getöteten Kriegsgefangenen.

Der Kommissarbefehl

Der Ermordung ging der am 6. Juni 1941 vom Oberkommando der Wehrmacht ausgegebene Kommissarbefehl voraus. Der Befehl diente laut Generaloberst Halder der „Vernichtung der bolschewistischen Kommissare und der kommunistischen Intelligenz.“ Dem Befehl zufolge sollten alle sowjetischen, politischen Kommissare und Funktionäre nach ihrer Gefangennahme abseits des Schlachtfeldes erschossen werden. Der Befehl wurde am 16. August 1941 auch auf „politische Gehilfen“ ausgeweitet. In der Praxis wurden auf den Befehl hin sowohl politische Gefangene und Soldaten als auch zivile Gefangene hingerichtet. Der Befehl war ein Teil des Vernichtungskrieges gegen die russische Bevölkerung.

Massenmord in Sachsenhausen

Am 31. August 1941 trafen die ersten sowjetischen Gefangenen im KZ Sachsenhausen ein. Sie waren durch den Transport zum Lager extrem ausgezehrt, da sie seit Ihrer Gefangennahme durch die Wehrmacht kaum Wasser und Nahrung erhalten hatten.. Einige von ihnen starben schon beim Transport, viele nach der Ankunft im Lager. Im Lager selbst waren sie ununterbrochen der Misshandlung durch SS-Leute ausgesetzt. Im Vorfeld waren die Baracken der Isolierung geräumt und verdunkelt worden. Diese abgesonderten Baracken sollten die sowjetischen Gefangenen von den restlichen Häftlingen abschirmen. In den Baracken mussten die Kriegsgefangenen auf dem Fußboden schlafen. Für die Ermordung selbst war im Industriehof eine Genickschussanlage konstruiert worden. Hierbei wurden die Gefangenen zunächst zu einer vorgetäuschten Untersuchung geführt, bei der sie sich zunächst entkleiden mussten. Ein als Arzt verkleideter SS-Mann kontrollierte die Münder der Gefangenen und markierte Häftlinge mit Goldzähnen mit einem blauen X auf der Brust. Danach wurden die Gefangenen einzeln in einen weiteren Raum gebracht, wo sie sich an eine Messlatte an der Wand stellen mussten. Hinter der Messlatte befand sich ein Schlitz, welchen ein SS-Mann öffnete und den Genickschuss abgab. Die Leichen der Erschossenen wurden danach von anderen Häftlingen abtransportiert und in den Krematoriumsöfen verbrannt. Goldzähne wurden zuvor entfernt. Um zu vermeiden, dass andere Gefangene Verdacht schöpften, wurde während den Erschießungen laut Musik abgespielt. Zudem brannten die Krematoriumsöfen nur tagsüber, da ihr Glühen in der Nacht zu offensichtlich gewesen wäre. Teilweise wurden auch Kriegsgefangene in der Gaskammer getötet.

Auswirkungen und Folgen

Im Herbst 1941 wurden innerhalb weniger Wochen im KZ Sachsenhausen über 10.000 sowjetische Kriegsgefangene im KZ Sachsenhausen getötet, unter denen sich Personen aller Schichten befanden. Die SS-Männer brüskierten sich mit der Zahl ihrer Opfer und erhielten Orden und Sonderurlaub für ihre Arbeit. Nur wenige von ihnen hatten den Mut sich der Aufgabe zu verweigern. Viele der Täter, insbesondere die Organisatoren, die über die Gefangenen bestimmten, wurden nie für ihre Verbrechen bestraft.

Fabian, Philipp und Alex

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